Seid neugierig auf das Leben, sprecht Menschen an und gebt ihnen eine Chance ! 

MEINE REDE zur JUGENDWEIHE in HELLERDORF 29.5.2017 

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Liebe Jugendliche, liebe Familienmitglieder, liebe Eltern, 
ein wichtiger Festtag zeichnet sich dadurch aus, dass man immer ein wenig aufgeregt ist. 
Weihnachten, Geburtstag – Ihr kennt das. 

Man ist ein wenig Ratslos, probiert das eine oder ander Kleid an – um es dann zu verwerfen, und denkt kurze Zeit, dass man nie etwas finden wird. 

 ( Wie ich sehe, haben die meisten doch etwas ganz und gar Wundervolles gefunden… )

Aufregung und Hoffnung, Erwartung und Neugierde, aber auch ein bisschen Angst, die man häufig hinter Coolness verbirgt. 

Wichtige Festtage sind auch schon in der Vorbereitung spannend, manchmal sind die Tage vor dem Fest viel schöner, 

Weil es um Erwartung geht. 

Erwartung ist das, was in unserem Kopf passiert. Welches Bild wir von etwas haben, machen, und machen wollen.

Wir nehmen etwas vorweg, sind in Gedanken schon dabei und versuchen, uns dadurch zu wappnen, was kommt.

Ihr seid hier, um Euch auf das Erwachsenensein einzustellen. 

Das klingt einfach, denn offenbar haben das ja alle ( Eltern, Grosseltern, Nachbarn und Patentanten ) schon durch. 

Erwachsen sein klingt nach Führerschein, lange ausgehen und endlich tun und lassen, was man will. 

Aber ist es nur dadurch, dass alle das schon durch haben, einfach ? 

Woran merkt man überhaupt, dass dieses Erwachsensein beginnt und – will man das wirklich haben und sein ?

Einerseits erscheint es einfach . Andererseits hat man in der Familie, in Büchern, Filmen, auch immer gehört von Menschen, 
die es nicht einfach haben, obwohl sie längst groß sind. Erwachsen sein klingt immer auch nach Leistungsdruck und nicht immer ist es einfach, diesem zu entsprechen. 

Trennung und Schmerz, Abbruch des Studiums oder der Ausbildung, Verluste und Enttäuschungen können eine Biografie gehörig durcheinander bringen. Kein Wunder, wenn der eine oder andere auch unsicher ist: was ist der beste Weg ? Und ist das Leben nicht jetzt gerade besonders schwierig ? Um ganz ehrlich zu sein: dieses ganz normale LEBEN zu leben, 

ALSO Ausbildung, Beruf und Kinder – Liebe und Alltag: 

ES ist nie einfach gewesen, all das unter einen Hut zu bringen.

Eure Elten und Großaltern, die Familien, die heute bei Euch sind, wissen das. 

Heute ist sicher auch der Tag, an dem sie das erste Mal zurück denken, wie es war, als sie das erste Mal erfahren haben, dass es Euch gibt. Vom ersten “ich bin Schwanger !!! ” bis zum ganz und gar einmaligen Moment der Geburt, zu ersten Schrecksekunden; wenn Ihr dem Ball auf die Strasse nachgerannt seid, vom ersten Abend allein ( wo bleibt er denn ? Es wird doch nichts passiert sein ? ) 

Und der heutige Tag ist auch der Tag, an dem es Sinn macht, auch für die ganz COOLEN unter Euch, mal ganz vorsichtig,  dann aber auch ganz liebevoll den Blick auf Mama und Papa zu richten, die Euch unwahrscheinlich lieb haben!

( auch wenn manche Erwachsene, manchmal Männer, das nur selten zeigen ) 

Heute ist der Tag, um das Handy aus der Hand zu legen, um die Eltern mal ganz liebevoll in den Arm zu nehmen, und bei Ihnen da oben im Rang:  um den nun -nicht – mehr Kindern zu sagen, wie stolz Sie auf Sie sind.

Auch wenn die Schulnoten manchmal nicht ganz den Erwartungen entsprechen, die Freunde neulich die Küche fast leer gefuttert haben und die Wahl der neuen Freundin, besser: deren Haarfarbe !! –  alles andere als Ihre Wahl ist.

Aber zurück zu Euch, die Ihr heute im Mittelpunkt steht. 

Was möchte ich Euch auf den Weg mitgeben ? 

1. Ich möchte Euch ermutigen, Eure Welt, die Umgebung, Euer Leben und die Umstände nicht selbstverständlich zu nehmen. 

Die Dinge nicht hinzunehmen, die Lebenssituation, die Zeugnisse, die Chancen, die jeder hat – sondern dankbar zu sein und anzuerkennen, welche besondere Leistung dahinter steht und auch zu realisieren, dass man für das eigene Leben kämpfen muss. Es gibt nur dieses eine Leben und es lohnt sich, um das ganz eigene Glück zu kämpfen. 

2. Macht Fehler – aber lernt daraus und macht sie nicht zweimal. Das Leben ist keine Nachmittagsserie, in der über mehrere Jahre Personen durch die Türen treten, sich ver- und entlieben, immer neu, immer gleich und manchmal wird ein Schauspieler ausgewechselt. Wenn Ihr spürt, dass ein bestimmter Plan, eine Ausbildung, eine Partnerschaft, eine Ehe nicht funktioniert, dann versucht innerhalb des Systems alles auszuschöpfen, zu verändern, und werft nicht alles bei den ersten Schwierigkeiten hin. Wenn Ihr aber spürt, das etwas nicht zu Euch und Eurem Leben passt, dann muss man auch einen Schlusstrich ziehen und etwas bei sich ändern, radikal und mutig, vor allem aber: ehrlich zu sich selbst.

3. Ich möchte Euch ermutigen, Dinge nicht in feste Schubladen zu schließen – und wenn, sie auch wieder zu öffnen. 

Ihr werdet es selbst schon oft erfahren haben. Natürlich sind die Freundinnen ( viele sind heute ja mit dabei ) aus der Schulzeit die allerbesten, die vertrautesten und diejenigen, die man nie verlassenen wird. Aber auch die besten Freundinnnen von gestern können sich schon morgen nicht mehr verstehen. Lebenswerte und Lebenswege können sich ändern, Glauben, Prinzipien, politische EInstellungen werden sich ändern und Euch ändern – mehr als die Musikgruppen, an denen aktuell Euer Herz hängt. In Eurem Leben wird es Menschen geben, denen man wieder begegnet – nach Jahren – und alles, was wir an Gutem und Schlechten verteilen, holt uns irgendwann ein. Es muss nicht extra der Kantsche Imperativ sein, der einen fordert sich so zu verhalten, wie man selbst behandelt werden möchte – es lohnt sich in allen Bereichen, von Sport bis Politik, Nachbarschaft bis zum Konzert und der Heimkehr aus dem Club, sich so zu verhalten, dass man auch morgens in den Spiegel schauen kann.

Und: Ich möchte Euch ermutigen, Menschen nicht zu schnell und nicht zu äußerlich zu beurteilen. Es ist wichtig zu wissen, dass der Anzuträger von heute der Obdachlose von morgen sein kann – und umgekehrt ! 

Und dass auch uns und unsere geborgene Nachbarschaft hier Krieg und Vertreibung ereilen kann. 

Liebe Jugendliche, 

Es gehört zu den schönsten Reisen, in die Welt zu fahren, neue Orte zu sehen, Dinge zu entdecken – aber das spannendste Erlebnis bleibt immer noch das Entdecken von Menschen, die ersten Momente, wenn wir merken, dass uns unter 80 Millionen der Eine oder die Eine wichtig ist. 

Lässt Euch nicht einreden, ein Auto oder Iphone wäre das wichtigste im Leben. 

Seid neugierig auf das Leben, sprecht Menschen an und gebt ihnen eine Chance ! 

Und vor allem: lasst Euch nie von anderen einreden, was gut für Euch ist. 

Alle wichtigen Entscheidungen solleten überschlafen werden, sie brauchen den Rat und die kleine Recherche im Freundeskreis und Netzwerk ( früher gab es google noch nicht ) Aber: man fällt sie alle allein. 

Lässt Euch von niemand einreden, was das Beste für Euch sei: welcher Beruf, welche Art von Erotik, welcher Lebensort und welcher Liebe die Eure sein soll. Der wichtigste Kompass ist nicht google maps; sind keine Mädelszeitschriften oder Blogs, die Euch vorgaukeln, wie Ihr leben sollt. Sondern der wichtigste Kompass ist ganz da drinnen. Es ist Euer Herz. 
Was ich Euch persönlich wünsche: werdet glücklich. 

Ich möchte, dass Ihr ein glückliches, erfolgreiches Leben lebt !

Eins mit Euch und immer wieder mit dem Blick auf diesen Kompass. 

Und wenn es so wird, und Ihr glücklich lebt, mit einer guten Arbeit und einem Menschen, der Euch versteht, dann seid großzügig. Glück verdoppelt sich, wenn man es teilt. 

Und noch ein letztes: Schreibt Tagebuch. 

Schreibt heute zumindest auf einen Zettel, was Ihr heute am meisten wünscht. Fängt am besten bei Eurer Feier damit an.

Packt die Wünsche in eine kleine Kiste, die ihr in 10 Jahren wieder öffnet. 

Und mein Wunsch für Euch ist: dass sich genau der Wunsch, den Ihr heute antragt, dann auch erfüllt hat !

Euch und Euren Familien einen unvergesslichen Tag ! 

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